Stundenlang sah sie Müllfernsehen.

Ich wäre nicht ich, wenn ich nicht auch nach abgeschlossener Berlinisierung, kurz, bevor alles an Probeleser geht, noch feilen würde. Gerade stolpere ich über

Stundenlang sah sie Trashfernsehen.

Könnte man eindeutschen, denke ich, und mache Müllfernsehen draus. Nun bin ich kein Freund von auffälligen Wortschöpfungen in Romanen. (In Tweets schon, ebenso im Gespräch, als Gag. Im Roman reißt es mich als Leser aber raus.) Müllfernsehen – geht noch. Ideal ist es nicht. Also, wie heißt der Begriff für Frau Salesch und Dschungelcamp und was es alles gibt. Trash-TV. Wieder englisch. Müll-TV? Wäre ausgeschrieben Mülltelevision. Nein, geht nicht. Unterschichtenfernsehen? Zynisch und nicht mal Realität.

An solchem Kram kann ich mich aufhalten. Soll ich es ausschreiben?

Sie sah nachmittags alles, was kam.

Wäre in Ordnung, aber es ist an der Stelle nicht so wichtig, es würde vom Kern der Aussage ablenken. Außerdem sieht sie den Quatsch nicht nur nachmittags, sie hat Liebeskummer, sie tut nichts anderes mehr als… tja. Am Satz „Stundenlang sah sie Müllfernsehen.“ stört mich außerdem das doppelte „sehen“.

Stundenlang sah sie fern.

Reicht das? Wäre Müll nicht ein schönes Wort, das Assoziationen weckt?
Stundenlang brütete sie über einem einzigen Satz, fast vergaß sie, die Kinder abzuholen.
Bis dann.