Ich hasse das kleine „wie“

Ich hasse es, wenn Vergleiche eingeleitet werden mit dem Wörtchen „wie“. Beispiel: Er lag auf dem Rücken wie ein fetter, verzweifelt strampelnder Käfer. Igitt. Das sind für mich die Achtziger Jahre. Damals, als mir nichts Besseres einfiel als diese plumpen Wörter aufzugreifen, die vor meine Füße fielen, vogelscheißengleich.

Das „Wie“ reißt mich heraus, es ist die große (nein, es ist nicht „wie“ die große, es ist die große) Kelle im Maul von Autorenbullen: Achtung, Achtung, jetzt kommt ein Vergleich, Obacht, Stopp!, jetzt wird’s kreativ, jetzt hab ich mal echt lange nachgedacht und mich auf die Hinterfüße gestellt, um mal so richtig fett zu überraschen mit meiner Wortmacht. So fett wie türkischer Joghurt? Nein, eher so fett, als wäre es türkischer Joghurt.

Man kann das kleine „wie“ ab und zu bringen, etwa ein Mal alle fünfzig Seiten. Das geht in Ordnung. Ist wie mit dem „dass“.

Doch es gibt so viele wunderbare Möglichkeiten, die noch besser schmecken als Himbeercreme, zart, schmelzend, und doch leicht bitzelnd. Der feine Pepp, den der Leser im besten Fall spürt, aber nicht bemerkt. Es macht auch mir viel mehr Spaß, die Früchte im Joghurt unterzujubeln. Früchte, die sich nicht grellbunt aufdrängen. Reicht schon, wenn Fruchtzwerge das tun.

Ein Meister des Vergleichshandwerkes ist für mich David Sedaris. Lovely Nesser sowieso. Wenn ich einmal so flüssig schreiben kann, schwebt mein Glück.

Da will ich hin.