Schreibaufgabe Runde fünf

Auf Schreibstar.tv warten etwa monatlich interessante Schreibaufgaben. In Runde fünf ging es um „vier Tage, die Ihre Figur verliert“. Klar, ein Mordfall. Um die Geschichte auf 1500 Zeichen zu bringen, was wirklich nicht viel ist, griff ich, dem Haare-Ausreißen nahe, schließlich zum äußersten Mittel. Aus „Heinz“ wurde „Kurt“. Hier mein veröffentlichter Beitrag:

„Verdammte vier Tage!“ Weiter kam ich nicht. Meine Halsschlagader platzte, einfach so. Woher sonst kam das ganze Blut.

Kurts Augen schwammen im Weiß. Das linke guckte hoch, das rechte folgte. Als beide Augen gleich standen, zuckte sein Mund, als wollte er noch „Verfluchte Scheiße“ sagen. Dann rutschte er. Lag glotzend in einer roten Pfütze.

Ich warf den Kreisschneider gleich dazu.

Mein Hals schwoll ab. Oma erzählte oft, wie ungestüm ich als Junge war. Jeden Tag einen Tobsuchtsanfall, lächelte sie. Wenn die Lok wieder entgleiste, setzte ich sie nicht in die Spur, sondern warf sie durchs Zimmer und zerstampfte den Bahnhof noch dazu. Bald sah der übel aus.

Wie Kurt. Ich weiß, es ist nicht in Ordnung, dem Chef ein Fünf-Zentimeter-Loch in die Brust zu bohren, auch wenn das so nicht in der Betriebsordnung steht. Ich bin eben ein lebhafter Typ.
Tagelang hab ich die Fliesen verlegt. Vier Tage lang. Die Fliesen. Die scheiß hellen Fliesen mit den scheiß Blümchen in dem scheiß Gästeklo von den Neureichen. Die Ecken mit Silikon. Spüli auf die Finger und die Silikonwulst glatt streichen. Ausmessen und Zuschneiden, all das, mach das erst mal. Rings ums Klo musst du mit der Papageienzange an den Fliesen knabbern.

Und Kurt rennt wichtig rein und raus mit seinem Telefon.

Und grinst an Tag Vier: Die wollen kein Gästeklo mehr, die wollen jetzt mehr Wohnzimmer wegen dem Kamin, also abgerissen wird’s.
Grinst.

Ein Gutes hat die Sache: Sein Blut lässt sich super abwischen, auch von den Blümchen.