10. Mai: MORD OST – Die lange Nacht der schrägen Krimis

Lämmchen

Wie süß und harmlos ist das Harmlose? Können Lämmchen beißen? Ist das Land gar gefährlicher als das ruppige Berlin? Wie idyllisch die Landschaft auch ist, irgendwann wird es auch in Brodowin dunkel, sehr dunkel, fast schwarz. Die Grillen zirpen noch immer irgendwo im hohen Gras, die ersten Fledermäuse zischen ums Haus, ein Uhu in der Ferne ruft sein schauriges Lied in die Nacht. Drinnen warmer Lampenschein, Tee und Wein, kuschelige Landhauskissen und allerlei angenehmer Tand. Menschen, die nichts Böses im Sinne haben, lauschen eigentümlichen Geschichten voller Geheimnisse. Und werden am nächsten Tag ihre Nachbarn mit anderen Augen betrachten.

Ich lese Kurzkrimis wie „Die Ruhe von Stralau“, „Der Boxbruder“ aus der frischen Anthologie „Diagnose Mord“ oder auch „Was gut klappt, sind Ravioli“, und wenn die Nacht danach verlangt, schicke ich noch zwei späte Gäste zum Sterben nach Bad Saarow. Das Ganze im Rahmen von MORD OST, der 9. Ostdeutschen Krimitage 2014.

Meine Krimis verbindet, wenn ich darüber nachdenke, die Freude an der Eskalation im Alltag. Gerne bastele ich an Kleinigkeiten, die zum Verhängnis werden: Da hilft ein Doktor einem lädierten Boxer, der nur zufällig die Sprechstundenhilfe abholt, und hat bald ein richtiges Problem. (Der Boxer aber auch. Nennen wir es Duell.) Ein Rentner kann nie mehr in Ruhe leben. Ein junges Ding feiert seinen Geburtstag und lädt mit dem üblichen Zettel im Treppenhaus seine Nachbarn ein, man könne ja mitfeiern, wenn es stört. Gute Idee, süß, wirklich süß.

Foto: © angela temming