Däumchen hoch, runter oder drehen?

Ende 2008 habe ich einen Rotwein auf meinen Schreibtisch gestellt, eine Textdatei geöffnet und einen Dialog aufgeschrieben. Zwei Menschen, die sich beäugen, misstrauen, sich irgendwie mögen, aber auf zwei Seiten stehen. Huh, originell, oder? Bis daraus ein Konzept wurde, oder gar Szenen, ein Mord und vor allem ein Motiv, sind einige Nächte vergangen, meine Lust am Text jedoch nicht. Was tust du da jeden Abend, fragte mein Mann nebenbei. – Ich schreibe ein Buch. – Aha, ein Buch, alles klar.

Ein Buch ohne Blut, ohne abgehackte Finger, trotzdem böse. Ich stehe auf Leichen am Stück, und für die Qualen gibt es keine Skalpelle, sondern allein die Seele. Was würde ein Mensch niemals tun – oder doch?

Bis zur letzten Fassung, die selbst mir restlos gefallen hat, habe ich ganze drei Jahre lang geschrieben, umgebaut, gestrichen. Nach Gesprächen mit Testlesern folgten „letzte“ Korrekturen (aus meiner bescheidenen Perspektive) – und ab mit Exposé und Leseprobe an lediglich drei ausgewählte Verlage. Entweder hier oder gar nicht. Bei einem spürte ich ein Ziehen im Magen, als ich Website und Programm studierte und tatsächlich eine eigene Kategorie für meine Verquickung von Krimi und Liebe fand. Ja, das passte. Ein mittelgroßer ernsthafter Verlag mit wunderbaren Titeln.

Das war im November. Im Januar fragte die Lektorin nach dem gesamten Manuskript. Heute bat sie mich freundlich, weiter zu warten. Natürlich warte ich, liebend gern, die Nachricht ist doch gut. Vier Monate sind nichts in einem Verlag. Zum Beispiel gibt Autor Jonas T. Krüger Einblick in die Abläufe, wenn man schon einen Vertrag hat.

Ich fange jetzt doch mit dem zweiten Band an, ich vermisse nämlich meinen widerlichen Kommissar Hardy. Außerdem freue ich mich auf die Lesung morgen im Max und Moritz und die gesamte Lange Buchnacht drumherum.