Kennen lernen und lernen können

Sonntagabend, zweiundzwanzig Uhr in der Oranienstraße. Die jungen Leute sitzen in den Cafés und lernen sich kennen.

Ich bin auf dem Heimweg vom monatlichen Treffen der Mörderischen Schwestern und fühle mich, trotz der Erkältung, die meinen Nacken quält, besser. Krimiautorinnen. Frauen, die ernsthaft schreiben, die sich organisieren, vor Publikum lesen und Texte veröffentlichen. Nicht alle haben schon einen Verlag, und genau diese Mischung macht mir Hoffnung. Ein Wandel, ein ständiges Lernen. Ein Austausch.

Mein Wunschverlag hat mein Manuskript abgelehnt, mit Wohlwollen zwar, aber letzten Endes eben doch, und das, obwohl man zwischenzeitlich den vollständigen Text für die Lektoratsleitung angefordert hatte. Ich weiß nicht, ob das ein Erfolg ist. Ich kann die warmen Worte nicht einschätzen. Es sei gerne gelesen und für gut bewertet worden. Man müsse aber auswählen. Ich verstehe das, natürlich.

Nach zehn Minuten des Gefühls, gegen eine Wand gedonnert zu sein, habe ich weitere Verlage gesucht und das Cover verändert (ich weiß, Spielerei), damit es in den kalten März passt, in dem die Geschichte spielt. Kurz dem Lektor mein Bedauern ausgedrückt, ohne zu jammern. C’est la vie. Trallalla. Tschakka, what’s next.

Am nächsten Tag kam der Kater. Ich Würstchen. Ich kam nicht in die Auswahl, weil die anderen eben besser waren. Ich Vollzeit-Mutti, Vollzeit-Elternvertreterin, Vollzeit-Haushalts-Usche und Teilzeit-Grafikerin, wann sollte ich die Zeit haben, einen zweiten Roman zu schreiben. Also lass ich es bleiben und rede stattdessen wieder. Mein Zuhause: Kinder, Küche, Keinbuch. Ein paar Leuten habe ich an Tag zwei von der Absage erzählt, ohne Tränen zu vergießen, aber auch ohne jeglichen Ehrgeiz. Alle haben mich rührend getröstet (Jens Arne zitierte Dave German: „Then I made my way down to Nashville / where I sent a demo tape to RCA / after seven weeks of praying / I got a letter from them saying / We can’t use you, boy /but we like the way you play“).

Gestern Abend, ein paar Tage danach, hat mein Körper ein neues Anschreiben aufgesetzt und das Exposé gestrafft. Im Laufe der nächsten Woche schreibe ich fünf Verlage an, weil es mein bisheriger Plan so vorsieht und ich mich an diesen Plan halte, als könnte ich mich nicht meiner Programmierung widersetzen.

Noch heute morgen war ich uneins mit mir, ob ich ein bedauernswerter Blechschädel bin oder ein Talent, das Menschen erfreuen könnte. Das Treffen heute hat mir jedoch gezeigt: Hintern hoch, tätig sein. Lernen und all das.

Irgendwann möchte ich mit einem Lektor im Café sitzen und zusehen, wie draußen ein frierender Mensch sein Notizbuch zückt, um irgendeinen Gedanken des Nachhausewegs hinein zu schreiben.