Ich küsse Fortuna

Manchmal wird mir dieses Manuskript unheimlich. Hardwig Enno Schneider, Kriminalhauptkommissar in Berlin, rennt gerne in die Oranienstraße zu Fortuna Wetten.
Zwischendurch arbeitet er. Observiert eine vorlaute, aber herzliche Galeristin, deren Laden in der neuen Lieblingsecke für Kunst liegt, nämlich in der Potsdamer Straße.
Während ich die Gegend vorerst über Google Earth und Street View recherchiere – darüber übrigens verschämt dankbar bin, weil es mir erspart, morgen die gesamte lange Straße mit Sack und Kinderwagen abzulatschen –, entdecke ich vieles, was bis ins Detail so perfekt in meinen Text passt, dass ich mich fühle wie in der Truman Show. Hey, wer schenkt mir das alles? Ist es doch richtig, dieses Buch zu schreiben? Will es jemand? Schicksal, ich mach mit.

Nun wird Hardy sich zwischendurch ein Tigerfell beim Inder in der Potse kaufen, für seine Karre, denn der März ist kalt und der Polo hat keine Sitzheizung wie der Volvo des Strebers, der sein Kollege ist.

Inder gibt es genug in der Potse. Bei all den Textilien, die auf die Gehwege quellen, wird bestimmt ein Tigerfell made in China dabei sein, und wenn nicht, hat Hardy es eben aufgekauft.

Unheimlich wird es, da gleich neben dem Inder – was liegt? Genau, eine Zweigstelle von Fortuna Wetten, tatsächlich. Was machen die denn hier. Sagenhaft! Das Glück, welches den guten Hardy nach dieser Entdeckung durchströmt, ist genau das gleiche wie meines. Es zieht im Bauch, es wirbelt die Cola durcheinander, die ich vorhin trinken musste zwecks Erfüllung von Drogenklischees, es stupst mich an die Nase und sagt, nun kannst du ins Bett gehen. Licht aus, Kabel einrollen. Cut und gut.