Die Auflösung nachschmeißen

Mich nervt es furchtbar, wenn am Ende eines Krimis jemand gesteht und ewig quatscht, warum wer wie gemordet hat. Da ist doch vorher schon etwas schief gelaufen, denke ich mir, da wurden Fäden nicht sauber gesponnen. Und schwupps, stehe ich selbst vor genau diesem Problem.

Die einzige Möglichkeit, das Aufklärungsgeschwafel zu umgehen, wäre, vorher schon Teile davon zu verraten. Zum Beispiel durch ein Gespräch, das der Mörder führt, oder besser durch Handlung. Das Verraten seiner Motivation enttarnt aber den entsprechenden Protagonisten. Mir fällt keine Lösung ein, den Hintergrund des Ganzen zu vermitteln, ohne den Protagonisten bloßzustellen.

Die Frage ist, was ist spannender? Ist es nicht wichtig, bis zum Schluss zu verschleiern, wer wie gemordet hat? Zugunsten des Geschwafels, das dann unweigerlich kommen muss?

Alternativ, wenn ich den Täter bloßstelle, weiß der Leser mehr als der Kommissar. Auch das könnte spannend sein. Es würde aber mein Konzept über den Haufen werfen, dass alles so – oder eben so sein kann, bis zum Schluss. Mein Kommissar glaubt fest an das Eine, sein Kollege fest an das Andere, es wäre doch langweilig, zu früh zu verraten, wer recht hat.

Der Weg aus dem Dilemma wäre, eben doch den Hintergrund zu vermitteln, ohne zu verraten, wer genau agiert. Aber der Leser ist ja nicht dumm. Er würde sich seinen Teil denken. Es ist wohl genau die Kunst der Dosierung, möglichst viel Ballast rechtzeitig abzuwerfen, um am Schluss im schlimmsten Fall noch eine kurze Erläuterung nachzuschieben. Die besser nicht direkt an den Kommissar geht.