Von der Gute her

Das Leben vor der Tür. Ja, das gibt es. Es beschert mir sandige Füße, Schweiß vom Anschaukeln und immer wieder Erdbeereis, bis es mir aus den Ohren rausbröselt, aber auch Einblicke in die wundersame Welt kindlicher Grammatik. Auf Spielplätzen kann man eine Menge lernen. Zum Beispiel das mit der Gute.

Die drei Jungs, sie sind etwa acht Jahre alt, hangeln am Klettergerüst entlang, und sie machen das beeindruckend flott. Bald hat der Mittlere die Idee, auf Zeit zu hangeln, und fängt an. Tack, tack, tack. Wende, tack, tack. Der Kleinste zählt für ihn: Eins, zwei, drei,… bis dreiundzwanzig. Jetzt ist der Größte an der Reihe. Eins, zwei… fünfzehn! Das ist der Moment, in dem der Mittlere seine ursprüngliche Idee nicht mehr ganz so toll findet, und er ändert, wie das eben so ist im Leben, schnell mal die Regel.

„Es ist egal, wie weit man zählt. Es ist egal, wie schnell du bist, von der Gute her.“

Während ich darüber nachdenke, welches Wort er gebrauchen könnte, faselt er immer wieder von Leistung. Der Edgar, der Große, sei ja schon in der dritten Klasse. Damit sei die Leistung von dem Edgar nicht so besonders von, er sagt es noch einmal, von der Gute her. Der Kleine soll jetzt noch einmal hangeln und der Mittlere wird einfach dessen, auch das wiederholt er mehrfach, dessen Leistung ansehen.

Bei manchen Kindern sehe ich sofort die Eltern vor mir. Hier den Vater, leicht verbissener Hobbysportler (Fahrrad), isst keine Salami, da Schweinefleisch, isst Margarine statt Butter und arbeitet in der IT, animiert seinen einzigen Sohn stets zu Höchstleistungen: die dicksten Bücher soll er lesen, Einsen bringen und das Sportabzeichen in allen Disziplinen bestehen, einschließlich S-Bahn-Pufferknutschen und Pfandflaschen-Zurücktragen.

Hauptsache, alles kommt von oben, von der Gute her.